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Vom Zauber eines Weingartens - Ivo Schreiber Weine

Aktualisiert: 6. Mai



Man sagt, glücklich ist, wer einen Apfelbaum in seinem Garten stehen hat. Dieses Sprichwort kann ich getrost als Gründungsidee von Ivana’s Einmacherei definieren, denn mit Äpfeln hat im Herbst 2014 alles begonnen (dazu mehr in meinem Blog-Beitrag «Von der Inspiration zur Idee zum Unternehmen»). Und wer einen Weingarten besitzt, ist gemäss Bibel «reich und gesegnet», denn der Weinstock gehört zu den sieben biblischen Früchten. Passenderweise befindet sich Ivos Rebberg am Hügel der Katholischen Kirche Richterswil.


Weinreben beschenken ihren Besitzer mit einem wahrlich wertvollen Schatz von Mutter Natur: mit saftigen, süssen Weintrauben, die nicht nur Weine, sondern auch edle Aufstriche hervorbringen – und anders als Tafeltrauben sehr viel intensiver und aromatischer sind. Dass Ivo Schreiber, mein langjähriger Lebenspartner und Vater unserer gemeinsamen Tochter, meine Einmacherei mit seinen Bio-Trauben beliefert, ist auch für mich ein Geschenk des Himmels. Ausserdem liegt mir der Weingarten als ständige Helferin bei Ivo Schreiber Weine ebenso sehr am Herzen. Liebend gerne kümmere ich mich als Expertin in der Markenführung, im Marketing und in der Kommunikation um alle Angelegenheiten, die mein Wissen und meine Tatkraft in diesen Bereichen erfordern. Und wenn immer möglich, helfe ich auch tatkräftig auf dem Rebberg mit. Dabei werde ich obendrein völlig umsonst von Ivo angelernt.


Amazone und Diva zugleich

Die Weinrebe ist eine wirklich faszinierende Pflanze. Sie ist eine Amazone und Diva zugleich. Obschon sie einerseits kapriziös, anspruchsvoll und in gewisser Weise empfindlich ist sowie optimale Lagen, bestmögliche Bedingungen und viel Pflege benötigt, kann sie andererseits überraschend anspruchslos, zäh und ausdauernd sein. Natürlich unterscheiden sich die aus etwa 60 Arten hervorgegangenen 10'000 Rebsorten in ihrem Wesen massiv, so dass die einen eben zartbesaitet sind und die anderen weniger bis gar nicht. Doch eines ist sicher: Sie zählt zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und ist sehr robust. Als Extrem-Lebenskünstlerin kann sie nicht nur gut mit Hitze umgehen, sondern ebenso mit Kälte (sie besitzt eine Frostbeständigkeit bis zu minus 20 Grad, was jedoch nicht für die Blüten gilt, aus denen sich später die Trauben entwickeln). Deshalb sind Reben auf der ganzen Welt weit verbreitet und sogar in Regenwäldern, Wüsten oder in der arktischen Tundra zu finden. Darüber hinaus kann eine Rebe uralt werden: Oft erreicht sie ein Alter von 100 Jahren, wobei es auch Exemplare gibt, die 300 oder gar 400 Jahre alt werden! (Klicke hier, um mehr über Trauben zu erfahren)


Ideale Terroirs für Weintrauben

Natürlich gedeihen Weintrauben am besten in warmen, gemässigten Klimazonen, wo es also weder zu tropisch, zu trocken, zu kalt oder zu windig ist. Mit anderen Worten benötigen sie genügend Wärme, Sonnenlicht, Wasser und Nährstoffe. Für eine reiche Ernte ist nicht nur das Klima zentral, sondern die gesamte natürliche Umgebung – das sogenannte Terroir. Wenn Fachleute diesen Begriff verwenden, meinen sie konkret das Zusammenspiel von Klima und Mikroklima (Tages- und Nachttemperaturen, Niederschlag, Sonneneinstrahlung und -energie am Standort), Boden und Landschaft mit all seinen Facetten der Geologie, Erdbeschaffenheit und Topografie. Darüber hinaus hat jede Rebsorte seine zusätzlichen Vorlieben und Launen, die es zu verstehen gilt. Logisch, dass es zur Kultivierung dieser einen Pflanze einen eigenen Berufsstand gibt – den der Winzerin bzw. des Winzers, wobei mir der englische Begriff viel besser gefällt: winemaker.


Garanoir-Trauben beim Reifen

Ein solch idealer Ort für Weinreben befindet sich im schönen Richterswil im Kanton Zürich, wo Ivo Schreiber, diplomierter Winzer, in liebevoller Handarbeit «seine» Weintrauben hegt und pflegt. Ivos Weingarten liegt am Hügel der Katholischen Kirche Richterswil/ Samstagern auf einer Höhe von 430 Metern über Meer. Er wurde im Jahr 1991 angelegt und erstreckt sich in süd- bis südöstlicher Lage auf einer Fläche von 15 Aren. Inmitten des schmucken Wohnquartiers Erlen stehend, bietet der Rebberg einen malerischen Blick auf den tiefblauen Zürichsee und den dahinterliegenden Alpen. Hier oben hat sich Ivo Schreiber von Anfang an wohlgefühlt, genauso wie die 720 Weinreben. Bei zirka zwei Dritteln davon handelt es sich um die Rotweinsorte Garanoir, während etwa ein Drittel Riesling-Silvaner-Weissweintrauben sind.


Als Ivo den Rebberg 2019 übernommen hat, war die treibende Kraft, auf biologischen Pflanzenschutz umzustellen und gänzlich auf Pestizide zu verzichten, nicht einzig der Wunsch nach Bio- bzw. organischen Wein, sondern vor allem um herauszufinden: Ist es ihm möglich, Qualitätswein am Zürichsee auch ohne chemische Keulen herzustellen? Und vor allem wollte er wissen, ob er als damals Jungwinzer in der Lage sein würde, einen solchen Qualitätswein herzustellen. Wie sich herausstellte, war und ist er es. Denn seine Überzeugung, Weinreben im Einklang mit der Natur zu kultivieren und so in eine Zukunft zu investieren, die für alle gesünder, besser und schöner ist, hat ihn zum Erfolg geführt.


Ivo verzichtet nach wie vor aus Überzeugung und Leidenschaft zum Beruf auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel sowie auf die künstliche Behandlung unterhalb der Rebstöcke. Das heisst konkret: Er verwendet weder Pestizide, Insektizide noch Herbizide. Die Rebstöcke werden ausschliesslich über die Begrünung mit Nährstoffen versorgt. Dank organischer Düngung entwickeln sich die Reben zwar langsamer, dafür hängen die Traubenbeeren lockerer und bilden festere Schalen. Damit bleiben sie gesünder und bauen vielfältigere Aromen aus.


Um die Weinrebe vor Krankheiten zu schützen, setzt er pflanzliche oder mineralische Präparate ein. Ihre Gesundheit unterstützt er durch viel Handarbeit und die Förderung von Nützlingen, indem er die Weingartenränder und Böschungen natürlich wachsen lässt und nur selten mäht. So finden wichtige Insekten Nahrung sowie Unterschlupf und halten ihre Umgebung im Gleichgewicht. Ausserdem hat er 2022 auf einem etwa einen Meter breiten und 20 Meter langen Landstrich innerhalb des Weingarten zusätzlich insektenfreundliche Blumen gepflanzt.


Seine Weine lässt er bei Markus Schneider vom Weingut Hasenhalde in Feldmeilen keltern.

Beim Keltern wird bewährte Tradition mit modernster Technologie verschmolzen. Das bedeutet, die Trauben werden schonend abgebeert. Anschliessend wird die Maische beim Rotwein, dem Garanoir, in offenen Gärbehältern reinsortig vergoren. Mit anderen Worten: Durch den kontrolliert natürlichen Vorgang bei der Gärung und Reifung der Weine bleibt die Sortenreinheit erhalten. Der Ausbau der Weine erfolgt teilweise im Stahltank, teilweise im Barrique. Beim weissen Wein, dem Riesling Silvaner, wird die Maische direkt nach dem Abbeeren behutsam mit einer Tankpresse entsaftet. Die Vergärung und der Ausbau erfolgt schliesslich im Edelstahltank.


Rebenflüsterer

Leidenschaftliche Winzer sind meines Erachtens wahre Rebenelfen, denn sie schaffen es, von ihren Rebstöcken und Trauben zu bekommen, was sie das ganze Jahr hindurch entschlossen beabsichtigen – wenn sie als ihre «Kümmerer» ihnen wiederum das geben, was sie wollen. Die Beziehung zu Weinreben ist eine wahrlich Abhängige. Man muss sie durch und durch verstehen, sich um jede Laune kümmern oder noch besser: jede potenziell bevorstehende abfangen. Tut man es nicht, hat man das Geschenk schon sehr bald darauf. Genau dies scheint wohl die Faszination für jeden Winzer zu sein. Deshalb sind Winzerinnen und Winzer für mich nicht nur «Weinmacher», sondern treffender, wenn auch freier formuliert: «Rebenflüsterer».


Seit seiner Ausbildung zum Winzer begleite ich Ivo bei der Kultivierung von Weintrauben sowie der Herstellung seiner Weine. Wenn man als Winzerfrau mitbekommt, wie zeitintensiv, hart, strapaziös und dennoch vielseitig und erfüllend die Arbeit auf dem Rebberg ist, und wieviel es braucht, um ein Glas Wein in den Händen zu halten, empfinde ich puren Respekt vor dieser Verpflichtung. Weinreben dulden weder Aufschub noch Halbherzigkeit. Sie verlangen einer Winzerin/einem Winzer viel ab. Bei praller Hitze und bitterer Kälte stundenlang im Weinberg zu stehen, ist körperliche Schwerstarbeit, allem voran, wenn auf Handarbeit gesetzt wird. Und auch emotional ist der Winzerjob nicht zu unterschätzen, besonders dann, wenn der Wetterdienst Stürme, Frost und/oder Hagel voraussagt und man nicht weiss, wieviel Schaden die Reben und Trauben nehmen können. Ist die meteorologische Verwüstung gross, ist die Arbeit eines gesamten Jahres dahin, was nur sehr schmerzhaft zu ertragen ist. Selbst für mich.


Und dennoch hält mich der Zauber, die Weinreben umgeben, ebenso gefangen. Es erfüllt mich daher mit grosser Freude, dass ich jedes Jahr von Neuem die Etiketten für Ivos Weinflaschen gestalten sowie produzieren lassen darf.



Hoch abgeschnitten!

Übrigens: Dieses Jahr (2023) hat Ivo seine beiden Weine Garanoir «Rabe» und Riesling Silvaner «Storch», beide des Jahrgangs 2022, bei der Expovina Wine Trophy zur Blinddegustation eingereicht. Am 14. August 2023 wurden die Resultate veröffentlicht und vermerkt, dass nicht nur die eingereichten Weine um 15 Prozent zugenommen haben, sondern auch deren Qualität. Deshalb wurde auch die Anforderung an die erforderliche Punktzahl für ein Silberdiplom erhöht, die dieses Jahr mit 87,4 Punkten so hoch war wie noch nie. Ivos «Storch» und «Rabe» haben mit 85,4 bzw. 86 Punkten sehr gut abgeschnitten und nur knapp ein Silberdiplom verpasst. Ivo, ich bin so stolz auf dich!


Also, geniesst die Gelees, die ich aus Ivos Trauben herstelle, in vollen Zügen, denn ihr verleibt euch ein qualitativ sehr hochstehendes und obendrein exquisites Produkt ein. Im Grunde ist Ivanas aktuelles Truubä-Gelée «Garanoir» mit Rum so kostbar wie ein Glas Wein. In diesem Sinne: Prost! Auf viele weitere, erfolgreiche Weinjahre, Ivo! Mach weiter so.


Ivo Schreiber

Winzer EFZ







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