Verbene

Die Zitronenverbene ist ein Star unter ihresgleichen. Nicht nur der klangvolle, elegante Name «Verbena» ehrt sie, sondern auch ihre noch heute vielseitige Anwendung. Sie gehört zu den bekanntesten Kräuterheilpflanzen und wird hauptsächlich als milder Kräutertee genossen. Die Verbene erfrischt, beruhigt die Nerven, regt den Stoffwechsel an, hilft Magen sowie Darm und fördert die Verdauung, stärkt bei Erkältungen als auch Nervosität, löst Krämpfe, entspannt und sorgt für einen wohltuenden Schlaf.

Die Zitronenverbene kann man nicht verfehlen und auch nicht einfach an ihr vorbeilaufen, ohne sie zu riechen. Nicht umsonst wird sie «die duftende Verbene» genannt. Mit den Fingern durch die Blätter zu streichen, ist beim Vorbeigehen ein Muss. Das stark duftende Kraut besticht durch einmalig wohltuende Aromen, nicht nur in der Nase, sondern auch im Gaumen. Die Zitronenverbene weist elegante, herb-frische Noten von Limetten oder Zitronen sowie frisch gemähtem Gras auf. Am besten beschreibt Zitronengras oder Zitronenmelisse ihr ganz eigenes Bouquet.

Differenziert wird zwischen dem echten Eisenkraut, die einzige in Europa wild wachsende Verbenenart, und dem intensiv duftenden Zitroneneisenkraut bzw. der Zitronenverbene. Zwar
sind beide Teil derselben Familie der Eisenkrautgewächse
(Verbenaceae), deshalb können mit dem Ausdruck Verbenen auch beide gemeint sein. Doch tatsächlich gehört das echte Eisenkraut zur Gattung Verbena officinalis, während die Zitronenverbene jener der Aloysia entspringt. Auseinanderhalten kann man die zwei Familienmitglieder sehr gut, auch wenn sie optisch unauffällige, aber ausdauernde Pflanzen sind. Denn das echte Eisenkraut riecht nicht und enthält geschmacklich viele Bitterstoffe. Kulturell und gastrosophisch unter die Lupe genommen, sind beide jedoch überaus reizend.

Ursprünglich stammt der Halbstrauch aus den subtropischen südamerikanischen Regionen Paraguays, Argentiniens, Chiles und Perus. Bereits im Altertum gelangten sie in die europäische Nachbarschaft, doch erst Ende des siebzehnten Jahrhunderts fanden sie mit spanischen Seefahrern ihren Weg nach Spanien und wuchsen in der Folge in botanischen Gärten Frankreichs als auch in Treibhäusern Englands heran. Vor allem in Frankreich geniesst man «la verveine» noch heute als Gelée oder als Durstlöscher den ganzen Tag über – gerne als Guten-Abend-Tee bei Sonnenuntergang.

Zum Eisenkraut

In der ägyptischen Mythologie war das Eisenkraut der Muttergöttin Isis geweiht, deshalb gaben die Ägypter ihm den Namen «Isenkraut». Isis bedeutet «die Gebieterin auf dem Thron (Sitz)». Noch heute wird die Pflanze umgangssprachlich «Träne der Isis» genannt.

Die traditionelle Heilpflanze war besonders im südeuropäischen Aberglauben tief verwurzelt. Mit Verbena bezeichneten schon die alten Römer «die» Pflanze, welche sowohl bei spirituellen Riten als auch in der Medizin am liebsten verwendet wurde. Sie galt als heilig und wurde zum Beispiel auf den Altar des Jupiters gelegt. Gesandte trugen Kränze aus Eisenkraut und berührten Bündnistexte mit der Pflanze, um ihnen mehr Gewicht zu verleihen. Neugeborene badete man in Eisenkrautwasser, damit sie eisenstark würden. Ausserdem würde die Verbene den Männern Glück in der Liebe bescheren und die Frauen schöner machen.

In Wales trug das Eisenkraut sogar den Namen «Devil´s Bane» – der Bann des Teufels. Denn früher glaubten Ritter und Krieger abergläubisch daran, dass das Kraut auf sich getragen vor Hieb- und Stichverletzungen schütze, ausserdem Wunder wirke bei Wunden von Eisenwaffen und damit ein Heilmittel gegen des Teufels Werk sei. Auch wenn dies irrig erscheinen mag: Eisenkraut ist tatsächlich wundheilend. Es wirkt blutstillend, entzündungshemmend und entgiftend, weshalb Eisenkraut auch Eisenhart, Wundkraut, Druidenkraut, Sagenkraut oder Teufelsbann genannt wurde. Weitere Synonyme sind Wunschkraut, Teufelswurz, Venusader, Traumkraut, Taubenkraut, Stahlkraut, Hahnenkopf, Mönchskappe, Katzenblutkraut oder Träne der Isis. 

In der volkstümlichen Frauenheilkunde werden Eisenkräuter besonders gerne zur Regulierung der Monatsblutung und bei Menstruationsbeschwerden eingesetzt. Ausserdem sollen sie in den Wechseljahren Linderung verschaffen. Des Weiteren ist es leberreinigend, nach überwundenen chronischen Krankheiten kräftigend und, analog der Zitronenverbene, nervenberuhigend. 

Bereits im ersten Jahrhundert nach Christus wurde das wertvolle Eisenkraut vom berühmten römischen Arzt Dioskurides beschrieben, fand aber auch in vielen anderen Kräuterbüchern Erwähnung. Es wurde nicht nur innerlich angewendet, als z. B. Tee oder Weinauszug eingenommen, sondern auch äusserlich. Schon seinerzeit soll Eisenkraut bei Schlangenbissen, Blasenschwäche, Fieber und Erkältungen oder Geschwülsten, Hautunreinheiten sowie Mundfäule nützlich gewesen sein.

 

Die Menschen verwendeten es ausserdem als magisches Schutzkraut sowie für die Hausapotheke. Bei den Kelten/Druiden und Germanen war das Kraut äusserst wichtig für kultische Handlungen und im Mittelalter für die Zauberei, als Bestandteil von Beschwörungszeremonien, aber auch, um seherische Fähigkeiten zu fördern. Im Okkultismus durfte das Eisenkraut nicht mit eisernen Werkzeugen ausgegraben werden, sondern ausschliesslich mit silbernen oder goldenen. 

Aromatherapie pur
Ein Verbene-Säckchen in den Kleiderschrank gelegt oder eine Handvoll Blätter ins Badewasser gestreut und der wohlriechende Duft betört wie ein Sommertag in Südamerika!

Wichtig: Nicht in der Schwangerschaft einnehmen, kann Wehen auslösen. Unterstützt die Geburt.

Art: Zitronenstrauch

Gattung: Aloysia 

Synonyme: Zitronenverbene, Verbene, Duftende Verbene, Verveine oder Verveine odorante (aus dem Französischen), Zitroneneisenkraut, Gute Luise, L(o)uisenkraut
Lateinischer Name: Aloysia citrodora, Aloysia triphylla, Lippia citriodora, Verbena triphylla

Pflanzenfamilie: Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)

Unterfamilie: Lippenblütengewächse (Lamiaceae oder Labiatae)
Anzahl bekannter Arten: über 250, die Autoren sind sich jedoch uneins, ob mittlerweile nur noch 74 bis 80 übrig geblieben sind

Habitus: mehrjähriger, bedingt winterharter Halbstrauch I schlanke, drahtige, steil aufrechte, bis zu achtzig Zentimeter hohe, kräftig grüne Pflanze I vierkantige Stängel, flaumig oder kahl, im unteren Bereich verholzend I Verzweigung erst ab Mitte des Stängels I abstehende, dünne Zweige mit gegenständig angeordneten Blättern I obere Blätter lanzettlich geformt I enthalten ätherische Öle wie Citral I kleine weisse bis zart lilafarbene, fünfblättrige und zwittrige Blüten auf Ähren I aus den Blüten entwickeln sich braune Stein-/Kapselfrüchte mit jeweils vier Samen

Hauptblütezeit: Juni bis September oder Oktober

Erntezeit: Juni bis September

Standort: schätzt sonnige, geschützte Lagen mit mässig nährstoffreichen, leicht sauren, sandigen Lehm- und Tonböden I braucht während den heissen Perioden viel Wasser, junge Pflanzen benötigen ausserdem monatlich Dünger I vor heftigen Regen und starken Winden schützen I wächst wild gerne an Wegrändern, auf unkultivierten Weiden, Brach-/Ödland sowie Schuttplätzen 

Alter: kurzlebig I einige Jahre

Besonderheit: Flachwurzler I riecht stark nach Zitrone I je wärmer die Temperatur, umso stärker verbreiten die Blätter ihren Duft I nicht in der Schwangerschaft einnehmen, kann Wehen auslösen, unterstützt die Geburt