Lavendel

Lavendel erinnert an den mediterranen Süden und Ferien am Meer. Jeder verbindet Lavendel unweigerlich mit der Provence in Südostfrankreich, doch steht der klassische Südländer viel typischer für alle Küstengebiete der Mittelmeerregionen. Weit verbreitet ist er in erster Linie in Kroatien, hauptsächlich in Dalmatien, Griechenland und Italien, hier allem voran in der Toskana, auf den kanarischen Inseln sowie schliesslich in Frankreich auf seinen tiefblauen Lavendelfeldern der Provence. Ausserhalb Europas sind Marokko und die USA führend im Anbau von Lavendel.
 

Der Lavendel ist ein Vertreter der Lippenblütler und gehört der botanischen Unterfamilie Nepetoidaea an, der auch viele weitere bekannte Kräuter wie Rosmarin, Salbei, Bohnenkraut oder Pfefferminze angehören. Insgesamt gibt es ungefähr 25 Lavendelarten. Als die drei ursprünglichen Sorten gelten der echte Lavendel, der Speiklavendel sowie der Schopflavendel. Winterhart ist einzig der Echte Lavendel, alle anderen müssen vor Frost und Minustemperaturen geschützt überwintern.

Die genügsame, wild wachsende Pflanze fühlt sich an trockenen, felsigen, heissen Orten in Küstennähe am wohlsten. Sonnendurchflutete Hänge sowie kalkhaltige, nährstoffarme Böden und salzige Meeresluft mag sie besonders. Trotz seiner kargen Lebensbedingungen gedeiht der bienen- und insektenfreundliche Lavendel üppig. Er entwickelt sattgrüne Blätter, die wegen ihrer Behaarung leicht gräulich scheinen, sowie meist auffallend blau-violette Blüten. Charakteristisch für den Lavendel ist sein markanter ätherischer Duft, der nicht nur hinreissend ist, sondern auch wohltuend für Körper und Seele. Er riecht floral und herb zugleich, nach blauen und weissen Blumen sowie frisch gepflückten Kräutern. Der Lavendelduft beruhigt und entspannt unmittelbar. 

Sehr wahrscheinlich stammt die Pflanze ursprünglich aus Persien, dem heutigen Iran, und verbreitete sich von dort nach Italien, wo ihn im Hochmittelalter Benediktiner-Mönche auf Wanderschaft über die Alpen einführten. Heute wird  er in fast allen Klimazonen gepflanzt.

Früh war der reinigende und desinfizierende Effekt des echten Lavendels bekannt. Vor Jahrtausenden wusste man bereits um seine beruhigende als auch krampflösende und antiseptische Wirkung. Als Heilpflanze wurde der echte Lavendel auch von Hildegard von Bingen (1098 bis 1179) geschätzt und fand in ihrer naturkundlichen Schrift «Physica» Erwähnung.

Die alten Ägypter nutzten die Pflanze für religiöse Riten sowie zur Betreibung ihres Totenkults. So rieben sie ihre Verstorbenen mit Lavendelöl ein, um sie besser zu konservieren. Die auf Sauberkeit bedachten Römer wiederum verwendeten Lavendel vor allem zur Reinigung von Körper und Bekleidung sowie als Raumduft. Der Name Lavendel stammt nicht umsonst vom lateinischen Begriff «lavare» ab, was übersetzt waschen heisst. In Deutschland wurde der Lavendel in der Umgangssprache daher oft Waschkraut genannt.

Die Engländer lernten den Lavendel erst im dreizehnten Jahrhundert kennen, doch umso rascher gewann er an Popularität. Der Lavendel wurde schon bald rege angebaut und liess sich problemlos kultivieren, weshalb er später zum favorisierten und unverzichtbaren Bestandteil der englischen «Cottage Gardens» wurde. 

Der in London geborene Parfümeur Charles Denny verliebte sich in Frankreich Hals über Kopf in den aromatischen Lavendelduft. 1921 flog er deshalb mit einigen wenigen Setzlingen des echten Lavendels – oder waren es bloss dessen Samen? – in seine Heimat Australien, um seine Vision einer Lavendelfarm zu verwirklichen. Doch die idealen Bedingungen für die Kultivierung von Lavendel fand er über einen mühevollen Prozess schliesslich im Nordwesten Tasmaniens vor, eine vor dem australischen Festland gelagerte Insel im indischen Ozean. Dort errichtete er die bekannte Bridestowe Lavendel Farm, die noch heute zu den grössten Lavendelöl-Produzenten des Parfum- und Kosmetiksektors gehört. Übrigens: Wenn Charles Denny durch seine Lavendelfelder spazierte, trank er stets einen Lavendeltee.

Unerwähnt können auch die allseits bekannten und beliebten Duftsäckchen nicht bleiben: Ein bisschen Lavendel in einige kleine Stoffbeutel geben, zubinden und in den Kleiderschrank legen. Lavendelduft lässt nicht nur die Wäsche im Schrank frisch riechen, er vertreibt auch Motten (und Blattläuse).

Gattung: Echter Lavendel (seltene Art)
Lateinischer Name: Lavandula angustifolia

Synonyme: Lavandula officinalis, Lavandula vera
Pflanzenfamilie: Lippenblütengewächse (Lamiaceae oder Labiatae)

Tribus: Katzenminzen- und Basilikumartige (Nepetoideae und Ocimeae)
Anzahl bekannter Arten: etwa 30

Habitus: graufilzig behaarter, aromatischer Halbstrauch oder Strauch I aufrecht stehende, stark verästelte Zweige I gegenständig angeordnete Laubblätter, die im jungen Zustand graufilzig und im reifen sattgrün sind I lange, lanzettförmige Blätter, die sich an beiden Enden verschmälern I stumpfe, glatte Ränder, die mehr oder weniger eingerollt sind I fünfblättrige, leicht zweilippige und violett gefärbte Blüten, die an der Triebspitze an Scheinähren stehen I ähriger bzw. nicht verzweigter Blütenstand

Hauptblütezeit: Juli bis August

Erntezeit: während der Blütezeit zwischen Juni und August

Standort:  sonnige, heisse und windgeschützte Standorte mit nährstoffarmen, durchlässigen Böden sagten ihm sehr zu I Staunässe und zu feuchte Böden unbedingt vermeiden I liebt felsige Umgebungen, daher falls möglich bei einer Mauer oder Hauswand anpflanzen I sandige, kiesige, eher trockene Böden bevorzugt er am meisten

Alter: 20 bis 30 Jahre

Besonderheit: Tiefwurzler I nach der Hochblüte zurückschneiden I der echte Lavendel duftet unverkennbar intensiv nach blauen Blumen sowie frisch geschnittenen, ätherischen Kräutern