Johannisbeeren

Weil die erbsenförmigen Ribiseli am Gedenktag des Johannes dem Täufer reif werden, den 24. Juni und längsten Tag des Jahres, nennt man sie auch Johannisbeeren. Erste Wildformen wuchsen vor allem in den Wäldern und wurden in der Antike in West- und Nordeuropa, Sibirien sowie Nordamerika entdeckt. Kultiviert jedoch wurden sie erst gegen Ende des fünfzehnten Jahrhunderts in Nordfrankreich und Belgien.

Es werden weisse, rote und schwarze Johannisbeeren unterschieden. Über die Jahrhunderte hat man der Johannisbeere verschiedene Namen gegeben. Im Schwäbischen wird sie Träuble genannt, im Norden Ahlbeere, wobei sie auch als Gicht-, Alpen- oder Kostbeere bekannt ist. Die Österreicher nennen sie Ribisel und in der Schweiz wiederum hört man noch heute die Synonyme Meertrübeli, Trübeli oder Ribiseli. 

Johannisbeeren gehören zur Familie der Stachelbeeren, wobei sie eine Sorte ohne Stacheln und Dornen sind. Sie werden früh reif und gelten daher als die Vorboten des Hochsommers. Lange Zeit wurden sie als Ersatz für südländische Weintrauben gesehen und überdies als Arznei genutzt. Ihr ausgesprochen hoher Anteil an Vitamin C, welcher derjenige von Zitronen übersteigt, und B-Vitaminen machen sie zu regelrechten Vitaminbomben, die besonders bei Erkältungen und grippalen Infekten geschätzt werden. Ausserdem sind sie reich an Kalzium und Kalium.

 

Die Urart der roten Johannisbeere stammt vermutlich aus Nordosteuropa, die der schwarzen wird von einigen Experten in Nordasien vermutet. Heute findet man die Johannisbeere in den gemässigten Klimazonen der Nordhalbkugel fast überall. Der lateinisch-botanische Name «Ribes» geht auf den Libanon-Rhabarber «Rheum ribest» zurück, weil beide, Johannisbeere und Rhabarber, sauer sind. So erhält die Beerenfrucht ihren Gemüsenamen.

Die Geschichte der Johannisbeere ist vergleichsweise jung. In der Antike war die Pflanze noch unbekannt. Die Benediktistin, Wissenschaftlerin sowie bedeutende natur- und heilkundige Universalgelehrte Hildegard von Bingen, die in der römisch-katholischen Kirche als Heilige verehrt wird, gehörte zu den Ersten, die die Heilkräfte der Johannisbeere in Schriften festhielten. Doch erst in der frühen Neuzeit, etwa im sechzehnten Jahrhundert, erlangte die rote und schwarze Johannisbeere als Nutzpflanze Bekanntheit. Sodann hielt sie als Kulturpflanze auch Einzug in europäische Kloster- und Privatgärten. Nonnen und Mönche setzten die Johannisbeere gegen Gicht und Rheuma ebenso wie gegen Skorbut ein.

Ihre Wirkung auf die Gesundheit ist erwähnenswert: Sie beugen der Ablagerung von Cholesterin in den Arterien vor und reduzieren somit das Risiko für Herzinfarkte. Zudem fördern sie die Verdauung. Die schwarze Johannisbeere steht geschmacklich zwar im Schatten der roten, doch mit ihrem Vitamin-C-Gehalt übertrumpft sie ihre rote Schwester ohne Weiteres. Dieser ist nämlich fünf Mal höher, sodass eine Handvoll schwarzer Johannisbeeren die Hälfte des Tagesbedarfs abdeckt. Ein Tee aus den Blättern hilft ausserdem gegen Rheuma und Gicht. Und da auch viel Eisen in ihnen steckt, unterstützen sie zusätzlich die Blutbildung. 

Die freudvollen Franzosen schätzten die schwarze Johannisbeere nicht nur wegen ihrer gesundheitlichen Vorzüge. 1841 wurde bei Dijon der berühmte Likör «Crème de Cassis» erfunden, mit dem bis heute Drinks veredelt werden – übrigens: Dem Wort «Cassis» liegt das lateinische «Cassia» für Zimt zugrunde. Die Engländer hingegen verfeinerten mit den schwarzen Beeren ihren beliebten Apfelwein «Cider» und nannten das Getränk schlicht «Cider and Black». Noch heute sind die «Currants», Säfte und Nektare aus Johannisbeeren, in England viel beliebter als irgendwo sonst in Europa. Im Vereinigten Königreich findet sich der «Cassis-» bzw. «Currant-Geschmack» ebenso in Hustenbonbons und diversen anderen Süssigkeiten. 

Zurück zum Johannisbeerstrauch: Johannisbeeren sind absolut pflegeleicht. An einem sonnigen Standort gepflanzt, gedeihen die Sträucher problemlos, wobei die genügsamen Johannisbeeren auch im Schatten rot werden. Auch beim Gartenboden stellt die Pflanze keine besonderen Ansprüche, nur Staunässe mag sie nicht. Nach der Ernte oder spätestens zu Beginn des Frühjahrs sollte der Strauch allerdings zurückgeschnitten werden. 

Gattung: Johannisbeeren
Lateinischer Name: Ribes

Pflanzenfamilie: einzige Gattung in der Familie der Stachelbeergewächse (Grossulariaceae)

Tribus: Spierstrauchgewächse (Spiraeoideae)
Anzahl bekannter Arten: 140 bis 160

Habitus: laubabwerfende, vereinzelt immergrüne Sträucher oder kleine Bäume I teils mit Dornen bewehrt I bilden in der Regel wechselständige Blätter an langen, manchmal auch zusätzlich kurzen Stielen aus I Knospen mit papierartigen bis krautigen Schuppen I gefaltete Knospenblätter I einfache Blattspreiten, oft drei- bis fünffach gelappt I meist einfache, traubige, fast sitzende doldige bzw. schirmartige Blütenstände mit freien Blütenbechern I Blüten zwittrig oder eingeschlechtlich I kleine, runde, saftige Beeren mit meist zehn bis hundert braunschwarzen Samen I Testa und Fruchtfleisch gelatinös und durchsichtig, so dass man die Raphen und das Gewebe im Inneren der Beere sehen kann
Alter: bis zu 15 Jahre

Hauptblütezeit: Anfang April bis Ende Mai

Erntezeit: Juni bis August

Standort: ein heller, halbschattiger Standort behagt ihnen am besten I pralle Sonne und Hitze sind ungünstig I mögen besonders mittelschwere, nährstoffreiche, feuchte, leicht saure Böden

Besonderheit: Flachwurzler I Selbstbestäuber