Quitten

Die Urheimat der Quitte liegt im südöstlichen Kaukasus oder in Mesopotamien des Alten Orients, der sogenannten Wiege unserer heutigen Zivilisation. Es konnte nachgewiesen werden, dass dort vor bereits 4'000 Jahren Quitten kultiviert wurden. Viel später gegen 600 vor Christus wurde die Quitte durch den Fernhandel erst von den Griechen und um 200 vor Christus schliesslich von den Römern entdeckt und urbar gemacht.

In Mitteleuropa waren die duftenden Quitten bis ins neunte Jahrhundert unbekannt und fristeten in der Obstwirtschaft als auch bei der gemeinen Bevölkerung bis vor Kurzem ein unbedeutendes Dasein. Deshalb werden die Sorten zu 80 Prozent in Asien angebaut. Die restlichen Anteile der gesamten Welternte macht Europa bzw. die Türkei aus. In den letzten Jahren haben viele Gärtner und allem voran die Getränkeindustrie die Frucht wiederentdeckt  Nachfrage stetig steigend. Ja, es findet regelrecht eine Renaissance der nützlichen Frucht statt!

Der Quittenbaum gehört ebenfalls zur Familie der Rosengewächse. Seine flaumige Frucht ist auffallend gelb, gross und von der Form dem Apfel sowie der Birne sehr ähnlich. Ihrer bekannten grellgelben Färbung wegen hat sie sogar eine eigene Farbgebung hervorgebracht: Quittengelb. Dieses Quietschgelb ist hauptsächlich auf das Flavon Quercetin zurückzuführen, ein eben gelber Pflanzenfarbstoff. Über 150 flüchtige Duftstoffe rufen bei der Quitte ein angenehm intensives und frisches Bouquet hervor. Das Fruchtfleisch besitzt zahlreiche Steinzellen, die es verhärten und sehr herb machen. Es soll etwa 200 Quittenarten geben, wobei die meisten Sorten roh ungeniessbar sind. In sie reinbeissen kann man daher nicht. Gekocht jedoch entwickeln sie einen traumhaften Geschmack und eignen sich für vielerlei Vorhaben. So können sie z. B. roh eingelegt, getrocknet oder eingekocht sowie zu Likören, Bränden, Säften, Weinen, Essigen etc. verarbeitet werden.

Das Wort Quitte leitet sich ab vom Althochdeutschen «qitina» bzw. «kutinna», vom Mittelhochdeutschen «kutin» und vom Lateinischen «malum cydonium» oder «cotoneum malum», was Quittenapfel, Kydonischer Apfel bzw. Quitte oder Quittenbaum bedeutet. Alle Begriffe beruhen auf dem Griechischen «kydónion». Auch wird die Quitte in der griechischen Sprache «melimelon» genannt, was übersetzt Honigapfel heisst. Weitere Synonyme wie Kretischer Apfel, Hesperiden-Apfel, Venus- oder Adonis-Apfel, Goldener Apfel, Baumwollapfel und Schmeckbirne deuten darauf hin, dass sich viele Mythen und Legenden um die sagenhafte Frucht ranken. So galt die Frucht der griechischen Liebesgöttin Aphrodite als heilig. Im antiken Rom wurden Quitten in den Schlafgemächern der Herren als Weihgabe für die Göttinnen der Nacht ausgelegt, damit ihr aphrodisierender Duft sie betören möge.

Heil- und symbolkräftig war die Quitte schon in der Antike. Hieronymus Bock bezeichnete sie im Jahr 1539 als «Apotheke für Arm und Reich». Ein Tee aus Quittenschalen oder in Wasser gezogene Quittenkerne etwa helfen gegen Halsschmerzen und haben überdies eine reinigende und entschlackende Wirkung. Pur verzehrter Quittenhonig hilft bei Darm- und Magenbeschwerden, Quittenkompott wiederum bei Rheuma, Gicht und Durchfall.

Quittenbäume sind wärmeliebend und frostempfindlicher als Äpfel und Birnen. An einem sonnigen, etwas geschützten Standort. behagt es ihm am besten. Der Baum sollte vor allem den kalten, trockenen Ostwinden im Winter nicht schutzlos ausgeliefert sein.

Gattung: Quitte
Lateinischer Name: Cydonia oblonga

Synonym: Cydonia vulgaris

Tribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)

Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
Anzahl bekannter Arten: geschätzt 700

Habitus: sommergrüne, dornenlose Sträucher oder Bäume I Rinde junger Zweige violett und behaart I 10 cm grosse, dunkelgrüne, ledrige, oben fast kahle und unten filzige, fein behaarte sowie spitze Blätter I behaarte Blütenstiele I doppelte Blütenhülle I zwittrige, radiärsymmetrische, fünfblättrige 4 bis 5 cm grosse und stark duftende Blüten I glockenförmiger Blütenbecher I verkehrt eiförmige, freistehende, reinweisse bis rosa gepuderte Kronblätter bzw. Schalenblumen I leuchtend gelbe, intensiv frisch duftende, flaumige, vielsamige Sammelbalgfrüchte (Apfelfrüchte), die sehr hart sind und roh daher ungeniessbar

Hauptblütezeit: Anfang Mai bis Ende Juni

Erntezeit: September bis Oktober, späte Sorten im November
Alter: 30 bis 50 Jahre

Standort: sonnige, windgeschützte Orte, z. B. neben Mauern und Hauswänden, vor allem kalte, trockene Ostwinde vermeiden I mögen saure bis neutrale, sandige bis mittelmässig schwere, durchlässige, nicht allzu kalkhaltige Böden I Staunässe und wechselfeuchte Orte behagen ihnen nicht I hohe Temperaturen und vorübergehende Trockenheit machen ihnen nichts aus

Besonderheit: Flachwurzler I mehrheitlich Selbstbefruchter